// die Fünfte – Startup Culture

28. Januar 2019 | Kategorie: 5vor12 News

Ein Thema, dass in den letzten Jahren immer mehr Aufmerksamkeit auf sich gezogen hat, ist das Thema Startup Culture. Große Unternehmen wollen beim Rekrutieren, Halten und Motivieren von Mitarbeitern im Wettbewerb mit Startups mithalten und versuchen deshalb, Strukturen eines typischen Startups in ihr Unternehmen aufzunehmen.

Was macht Startup Culture für euch aus?

Jochen Carle (JC): Eines der wesentlichen Elemente eines Startups ist Mangel, sowohl an Zeit als auch an Geld. Was existiert, ist eine Idee. Und die Idee wird besser und schärfer, je größer der Mangel an anderer Stelle ist. Druck erhöht die kreative Energie und somit die Leistung.

Wieso ist Startup Culture eurer Meinung nach so ein gehyptes Thema?

Jeppe Hau Knudsen (JHK): Großunternehmen haben erkannt, wie schwer es ist, gute Mitarbeiter anzuwerben. Sie wollen Mitarbeiter, die selbst denken und auch energisch genug sind, um eigene Impulse zu setzen. Wenige Berufseinsteiger wollen wirklich zu Großunternehmen, da sie dort nicht die Möglichkeit sehen, ihre Fähigkeiten auszuleben. Ich würde Startup Culture deswegen gar zu einem Marketingbegriff erklären, der von Konzernen wie Daimler zu Recht eingeführt wurde. Vermarktet sich ein großer Konzern mit dem Schlagwort Startup Culture, lässt sich durchaus ein Teil der Mitarbeiter und der Bewerber darauf ein. Dass dahinter meist nicht wirklich Startup steckt, realisieren die Mitarbeiter erst nach Jahren. Ihre wertvolle Arbeitskraft aber ist schon investiert.

Inwiefern kann Startup Culture einem Unternehmen helfen?

JC: Mitarbeiter, die in einem Startup arbeiten, können sich meistens besser mit dem Unternehmen identifizieren und jeder Einzelne weiß, was genau man erreichen will. Es gibt also auch ein klares „Warum“. Wir haben schon einmal über Führung gesprochen und ich bin auch heute noch der Meinung, dass es leichter ist, ein Ziel anzusteuern und erfolgreicher zu werden, wenn alle das „Warum“ dahinter verstehen.

Was glaubt ihr, wie man Startup Culture in etablierte Unternehmen bekommt?

 JC: Eigentlich gar nicht. Was funktionieren könnte, wäre, einzelne Attribute eines Startups in das Unternehmen zu integrieren. Man könnte zum Beispiel glaubwürdig kleine Startups innerhalb des Unternehmens zulassen, entweder innerhalb eines Teams oder in Form von mehreren kleinen GmbHs. So kann man erreichen, dass die Mitarbeiter das Gefühl bekommen, echte Aufgaben zu haben und sich selbst verwirklichen zu können. Damit das funktioniert, muss man aber auch viel Geld investieren. Nur so erreicht man, dass die Mitarbeiter das wirklich ernst nehmen und kann so eine höhere Kreativität erzeugen.

JHK: Ich bin der Überzeugung, dass eine wirkliche Startup Kultur nur Sinn ergibt, solange es auch tatsächlich ein Startup ist. Das sind Unternehmen meist in den ersten ein, zwei Jahren. Danach ist es nicht mehr authentisch. Spätestens dann müssen wir eine Form von konstantem Erfolg haben und der erfordert eine klare Struktur und organisatorische Ausprägung, unter anderem mehr Arbeitsteilung.

Wie steht ihr zum Thema Holocracy? Wäre dies nicht eine Möglichkeit, die positiven Attribute eines Startups in ein Unternehmen zu integrieren?

JC: In Holocracy können sich die Mitarbeiter in ihren jeweiligen Rollen frei entfalten, haben mehr Eigenverantwortung und können quasi hierarchiefrei arbeiten. Also genau das, was ein junger motivierter Mensch will, wenn er in das Berufsleben eintritt. Deswegen, ja, ich glaube, dass sich unter anderem dieser Ansatz gut dafür eignet, einzelne Attribute eines Startups, die wir vorhin ja schon erwähnt haben, in ein Unternehmen zu integrieren und somit positiv zum Unternehmenserfolg beizutragen. Echte Startup Culture kann es jedoch nur in einem Startup geben. Alles andere ist aufgesetzt.

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